50 Jahre Kunst von Wilfried Porwol
Werkschau
Werkschau im doppelten Sinne: einerseits ein Einblick in mein künstlerisches Schaffen seit fast einem halben Jahrhundert, anderseits im eigentlichen Wortsinn eine Serie von Fabrikbildern aus den Jahren 1980/81. Gemalte Portraits stillgelegter niederrheinischer Industrieanlagen aus der Gründerzeit in typischer Backsteinbauweise.
Von den 70er bis in die 80er Jahre waren Malerei und aquarellierte Zeichnungen - vielfach mit politisch satirischen Inhalten - Schwerpunkte meines Schaffens. Daneben - bis heute - immer wieder Illustrationen und Karikaturen und Plakate, z.B. für das „Greenhorn", die Zeitung der damaligen grün-offenen Ratsfraktion in Kleve, und später vor allem für die anarcho-pazifistische Zeitung "Graswurzelrevolution") . Anfänglich waren es wegen der besseren Reproduzierbarkeit vor allem einfarbige Federzeichnungen, seit einigen Jahren jedoch auch farbige Buntstiftzeichnungen als Vorlagen für diverse Publikationen.
Mit der Anschaffung einer Druckpresse entwickelte sich die Druckgrafik (anfangs ausschließlich schwarz-weiße Linolschnitte und auch Radierungen) immer mehr zu meinem Schwerpunkt und ersetzte die Malerei weitgehend. Meine Begeisterung für die Bildwelten des niederländischen Grafikers M.C. Escher (1898-1972) lässt sich nicht verleugnen. In einigen Linolschnitten („Rüstung und Hunger" und „Schwarz-weiß") habe ich Eschers Methode der regelmäßigen Flächenfüllung zweier kontrastierender Figuren zur Sichtbarmachung gesellschaftlicher und auch globaler Zusammenhänge genutzt. 1981 begann ich, jeweils zum Jahreswechsel kleinformatige Linolschnitte herzustellen, eine unlimitierte am Bedarf orientierte Anzahl (meist so um die 100 Exemplare) davon zu drucken, sie für persönliche Neujahrsgrüße zu verwenden, oder sie für kleines Geld (Selbstkosten) zu verkaufen:
Meine „Jahresgrafiken" mit provokanten, manchmal satirischen Motiven zum jeweiligen Neuen Jahr. Der von Profit und Gewalt geprägte Umgang mit Mitmenschen (insbesondere mit Geflüchteten), mit der Natur und das profitable Geschäft mit dem Krieg sind dabei leider immer wiederkehrende Themen, die von der Realität "diktiert" werden. Einige antimilitaristische Motive dieser Jahresgrafiken fanden in variierten Formen als Plakate, Postkarten und Illustrationen größere Verbreitung.
Mitte der 90er Jahre habe ich den heutzutage nur noch sehr selten angewandten Holzstich für mich entdeckt. Ein im 18. Jhd. entwickeltes Hochdruckverfahren, das im 19. Jhdt. als Reproduktionstechnik zur Perfektion gebracht wurde. Hierbei arbeite ich das Motiv mit Graviersticheln in eine harte Hirnholzplatte bzw. in eine Kunststoffplatte: eine langwierige Arbeit, die höchste Konzentration erfordert. Doch diese Technik erlaubt mir eine äußerst filigrane Darstellungsweise, die sich gut für meine verunsichernden Spiele mit der Wahrnehmung (z.B. „Genius Loci" oder „Magnum Mysterium") eignet.
Seit 2007 beteilige ich mich regelmäßig mit Holzstichen oder mehrfarbigen Linolschnitten, an dem Grafikkalenderprojekt von ART-CONNECTION. Unter anderem surreal poetische Arbeiten, die sich an den chinesischen Tierkreiszeichen orientieren aber auch schon mal Allegorien auf den Militarismus. Aus den letzten Jahren stammt eine Serie großformatiger Grafiken zu Texten der argentinisch jüdischen Lyrikerin Alejandra Pizarnik (1936-1972). Für jede Grafik benutze ich dabei mehrere Druckplatten (Linoleum und Holz), um die abgestuften Helligkeitswerte in den Drucken zu realisieren. Text und Bild treten bei diesen Arbeiten in eine spannende Beziehung. Auch bei anderen Thematiken habe ich diese aufwändige Technik in den letzten Jahren verwendet. Darüber hinaus gibt es unzählige Gelegenheitsarbeiten (meist Buntstiftszeichnungen) für besondere - auch - private Anlässe.
(Wilfried Porwol im Vorwort seines Kataloges zu einer Ausstellung im Kunstverein Emmerich "Galerie Haus im Park" im Jahre 2016)
Ausstellungen
Einzelausstellungen
„Bilder gegen den Krieg“ Ausstellung im Rahmen der
Rotenburger Kulturwochen, Rotenburg (Wümme) 1990
„wilfried porwol holzstiche“ Ausstellung in der Buchhandlung
buchArt, Kleve 2010
„Wilfried Porwol druckgrafische Arbeiten“ Ausstellung in
der Buchhandlung BIBABUZE, Düsseldorf 2012
„Wilfried Porwol Werkschau“ Druckgrafiken, Malerei,
Zeichnungen, Objekte Ausstellung des Emmericher
Kunstvereins, „Haus im Park“, Emmerich 2016
Gruppenausstellungen
„1. Salon der Künstler“, Museum Haus Koekkoek, Kleve, 1987
„2. Salon der Künstler“, Museum Haus Koekkoek, Kleve, 1988
„3. Salon der Künstler“, Museum Haus Koekkoek, Kleve 1989
„9. Salon der Künstler“, Museum Kurhaus Kleve, Kleve 1999
„10. Salon der Künstler“, Museum Kurhaus Kleve, Kleve 2002
„? Bakunin – Ein Denkmal!“, Teilnahme an der Ausstellung
der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst e.V., Berlin 1996
„Autour de Bakounine: les anarchistes“ peintures,
scultures et documentes, Teilnahme an der Ausstellung im
Institut Supérieur d`Architecture, Brüssel 1996
Beteiligung an den jährlichen Jahresausstellungen ab 2007
des Emmericher Kunstvereins, „Haus im Park“, Emmerich
„ ART . Ort“, Künstler*innen Gruppenausstellung, Kleve 2014
„DRUCK VERSION“ Artoll Sommerlabor, Bedburg-Hau 2015
„Von Jahr zu Jahr“ Grafiken zum Jahreswechsel von
Hanns Lamers, Wilfried Porwol, Christiane Theissen
Ev. Kirche an der Böllenstege, Kleve 2015
„Expositie“ Doppelausstellung Casper ter Heerdt und
Wilfried Porwol, Kunstkring Duiven, Duiven (NL) 2017